Energiewende: Folgen den Worten jetzt Taten?

Schon seit geraumer Zeit wird viel über die dringend notwendige Energiewende geredet. Aber irgendwann bedeuten Worte nichts mehr, wenn die entsprechenden Taten zu langsam erfolgen oder unzureichend sind. Zwar haben Regierungen auf der ganzen Welt ihr Engagement im Kampf gegen den Klimawandel signalisiert und Netto-Null-Ziele verabredet, aber einiges deutet darauf hin, dass es diesen Bemühungen an Konsistenz, Kooperation und Kohärenz mangelt.

Die Deadlines für die Reduzierung der CO2-Emissionen rücken immer näher. Andererseits gibt es auch Anzeichen dafür, dass sich die Art und Weise, wie wir Energie erzeugen, liefern und verbrauchen, auf lange Sicht verändern wird. Zudem betonen immer mehr Persönlichkeiten und Institutionen des öffentlichen Lebens, dass mehr getan werden müsse. Wenn das Zeitalter der Energiewende nun also wirklich angebrochen ist, wie können Anleger diese Chancen am besten nutzen?

Ein grüner Wiederaufbau?
Ein großer Teil der beispiellosen Konjunkturpakete, die Regierungen weltweit in der Pandemie schnürten, war an umweltfreundliche Initiativen gebunden und zielte darauf, eine grünere Zukunft zu unterstützen. Jüngste Untersuchungen der Internationalen Energieagentur (IEA) deuten jedoch darauf hin, dass nur etwa zwei Prozent dieser Mittel im Bereich sauberer Energien Verwendung fanden.1

Noch besorgniserregender ist die Meldung der IEA, dass ausgehend von den aktuell geplanten Konjunkturprogrammen die weltweiten CO2-Emissionen im Jahr 2023 voraussichtlich ein Rekordniveau erreichen werden, mit steigender Tendenz. Die IEA warnte, dass die Welt weit davon entfernt sei, bis 2050 kohlenstoffneutral zu sein. 2

Auch wenn die Zeit drängt, ist es noch nicht zu spät, die notwendigen Schritte zu unternehmen. Die Erwartungen sind hoch, dass die bevorstehende UN-Klimakonferenz (COP26) entscheidend dazu beitragen könnte, die Latte für alle Akteure höher zu hängen, sodass Klimaschutzmaßnahmen verstärkt, die Klimaresilienz ausgebaut und Emissionen reduziert werden. So unterstreicht Alkor Sharma, Präsident der UN-Klimakonferenz 2021: „Wir dürfen die enormen Herausforderungen des Klimawandels nicht aus den Augen verlieren … wir arbeiten mit unseren internationalen Partnern an einem ehrgeizigen Aktionsprogramm für den Klimaschutz … COP26 kann der Moment sein, an dem die Welt gemeinsam eine saubere und nachhaltige Erholung auf den Weg bringt.“3

Wetterkapriolen und politische Einsichten
Sollten Politiker weitere Impulse benötigen, um den Klimawandel auf ihrer Agenda nach oben zu rücken, so hat dieser Sommer mit einer Vielzahl weltweiter Wetterkapriolen zweifellos dafür gesorgt – mit einer rekordverdächtigen Hitzewelle in Nordamerika sowie Überschwemmungen in China, Indien, Deutschland, Österreich und Belgien, die viele Menschenleben gefordert und Schäden in Milliardenhöhe verursacht haben. Selbst Klimawissenschaftler sind von der Schwere und Häufigkeit dieser Ereignisse geschockt, so äußerte etwa Chris Rapley, Professor für Klimawissenschaften am University College in London: „Es gibt eine dramatische Veränderung in der Häufigkeit, mit der extreme [Wetter-]Ereignisse auftreten.“4

Wichtig ist, dass die Realität des Klimawandels auch durch die jüngsten Berichte des Zwischenstaatlichen Ausschusses für Klimaänderungen der UNO über die globale Erwärmung eindeutig bestätigt wurde. Der Bericht warnt davor, dass die globale Erwärmung von 1.5°C in diesem Jahrhundert überschritten werden wird, wenn keine tiefgreifenden Reduzierungen der Treibhausgasemissionen erfolgen, was den UN-Generalsekretär Antonio Guterres dazu veranlasst, dieses Szenario als „Alarmstufe Rot für die Menschheit“ zu bezeichnen.

Ein positives Ergebnis dieser tragischen Ereignisse ist, dass Politiker nun öffentlich aussprechen, dass mehr getan werden muss, um die Auswirkungen des Klimawandels zu bekämpfen und sein Fortschreiten zu bremsen. So forderte Bundeskanzlerin Angela Merkel: „Wir müssen schneller werden im Kampf gegen den Klimawandel.“5 Und US-Präsident Joe Biden räumte ein, der Klimawandel treibe das gefährliche Zusammentreffen von extremer Hitze und anhaltender Dürre voran, und schloss: „Wir müssen jetzt handeln, und zwar schnell. Wir sind hier schon spät dran.“6

Die Roadmap der IEA auf dem Weg zur Netto-Null
Wenn einflussreiche Persönlichkeiten weltweit die Bedeutung und Dringlichkeit der Probleme rund um den Klimawandel anerkennen und sich verpflichten, mehr zu tun, ist dies ein entscheidender Schritt nach vorn. Dazu trägt auch das Bekenntnis der Internationalen Energieagentur zum Klimaschutz bei. Die mächtige Behörde, die in der Vergangenheit für fossile Brennstoffe stand, gab zur Freude der Klimaschützer im Mai 2021 eine neue „Roadmap“ heraus, in der sie ihren Weg zu Netto-Null-Emissionen bis 2050 skizzierte.

Dieser IEA-Bericht ist die weltweit erste umfassende Analyse dazu, wie die Energiewende vollzogen werden kann, und trägt dazu bei, Prioritäten für die erforderlichen Maßnahmen zu setzen und Meilensteine für den weiteren Weg festzulegen. Zukunftsweisend war insbesondere die Forderung der IEA, die Investitionen in neue Öl-, Gas- und Kohleprojekte zu stoppen,7 womit sie der Finanzierung des Ausbaus erneuerbarer Energien Gewicht verlieh.

Investitionen in die Energiewende
Nach Angaben der IEA müssen die jährlichen Gesamtinvestitionen im Energiebereich bis 2030 fünf Billionen US-Dollar erreichen, wodurch das weltweite BIP-Wachstum um 0,4 Prozent pro Jahr ansteigen würde.8 Diese beträchtlichen Summen machen deutlich, dass die Energiewende interessante Anlagechancen im Gepäck hat. Denn sie stellt nicht nur ein starkes langfristiges Wachstumsthema dar, sondern spricht auch all diejenigen an, denen nachhaltige Ergebnisse wichtig sind.

Investitionen in die Energiewende

Bei der Energiewende spielt nicht nur saubere Energie eine Rolle. Niemand geht davon aus, dass fossile Brennstoffe sofort verschwinden, im Gegenteil, sie bleiben wohl zunächst ein wesentlicher Bestandteil des Energieangebots. Der Fokus wird allerdings darauf liegen, die Abhängigkeit der Welt von fossilen Brennstoffen sukzessive auf erneuerbare und nachhaltige Energiequellen zu verlagern.

Die Energiewende sollte als sehr breit aufgestellte thematische Chance angesehen werden, die eine ganze Palette von Innovationen umfasst, so etwa Smart Grids, alternative Verkehrsmittel, Elektrofahrzeuge, Energieeffizienz in der Industrie, grüne Gebäude, LED-Beleuchtung, Wasserstoff-Brennstoffzellen, Solar- und Windenergie und die Energieversorgung insgesamt.

Teil einer grüneren Zukunft
Die Suche nach grünen Lösungen für die Energieversorgung unseres Planeten ist derzeit in vollem Gange. Damit könnte eine der größten Anlagechancen verbunden sein, die wir erleben werden. Investoren haben damit die einzigartige Möglichkeit, Unternehmen zu unterstützen, die das Ziel verfolgen, die CO2-Emissionen zu verringern und die dringend benötigte Energiewende voranzubringen. Neben etablierten Unternehmen wird es auch kleinere, anpassungsfähige und innovative Firmen geben, die Player an diesem sich schnell entwickelnden Markt werden möchten. Jedes dieser Unternehmen könnte zu den Superstar-Firmen von morgen gehören.

Bei BNP Paribas Asset Management wissen wir, wie wichtig es ist, zwischen kurzlebigen Modeerscheinungen und langanhaltenden, zukunftsweisenden Trends zu unterscheiden. Unsere Analysen zielen darauf, festzustellen, was im Bereich Energie und erneuerbare Energien der nächste Schritt sein wird und welche Auswirkungen dies auf den Energiesektor, aber auch auf andere Sektoren wie Verkehr und Wohnungsbau haben wird. Wir glauben, dass dafür eine andere Herangehensweise nötig ist, die einen offenen und unvoreingenommenen Ansatz verfolgt, um die Konsequenzen und Chancen am Energiesektor zu beurteilen. Denn nur auf Basis eines guten Research können Anleger informierte Anlageentscheidungen treffen.

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