Die große Instabilität

Die große Instabilität: Megatrends im 21. Jahrhundert
Unter dem Begriff der ‚großen Instabilität‘ fassen wir Trends und Bedingungen zusammen, in denen sich die Unsicherheit und Fragilität unserer modernen Gesellschaft ausdrücken. Dazu gehören auch eine Reihe von Megatrends, die aus unserer Sicht die Welt nach der Pandemie beeinflussen werden und auch noch in den kommenden Jahrzehnten relevant sein werden. Gemeinsam werden sie das ökologische, politische und wirtschaftliche Klima prägen und die Art und Weise, wie wir leben, arbeiten und handeln grundlegend verändern.
Makroökonomische & geopolitische Aspekte
Wir scheinen die Pandemie langsam in den Griff zu bekommen – dies gilt zumindest für die reicheren Länder weltweit. Aber was erwartet uns jetzt? Die Debatte über das wirtschaftliche Umfeld ist hitzig …

  • Die Welt nach Corona
    Die Einführung sicherer und wirksamer COVID-Impfstoffe ist ein Game-Changer in 2021. Die Möglichkeit der Impfung bringt den Märkten enorme Erleichterung und erzeugt Optimismus hinsichtlich der wirtschaftlichen Erholung. Aber es gibt in dem Prozess noch viele Unbekannte. So ist immer noch unklar, wie die Impfkampagnen weltweit verlaufen, aber auch was genau passiert, wenn die Lockdown-Maßnahmen zurückgefahren werden: Wird der globale Waren- und Personenverkehr wieder aufleben? Haben Zentralbanken und Regierungen genug getan? Anleger müssen, wie auch alle anderen, möglicherweise lernen, mit dieser erhöhten Unsicherheit zu leben, die noch eine Zeit lang auf Volkswirtschaften und Märkten lasten wird.

  • Niedrige Inflation
    Die Zeit vor der Pandemie war von niedriger Inflation geprägt, aber auch von geringer Arbeitslosigkeit in den USA, Großbritannien und Europa. Einige gehen davon aus, dass sich dies nun ändern wird, insbesondere angesichts der beispiellosen Konjunkturpakete, die in der COVID-19-Krise geschnürt wurden. Wenn die Lockdown-Maßnahmen gelockert werden, könnten die Ausgaben sprunghaft ansteigen, was zu einer Überhitzung der Volkswirtschaften und einem Anstieg der Inflation führen könnte. Aber die Inflation könnte auch weiterhin auf niedrigem Niveau bleiben.

    Die Inflationsfrage dürfte die Märkte auf ihrem Weg aus der Krise immer wieder verunsichern. Das heißt aber auch, dass Investoren turbulenten Zeiten entgegensehen.

  • China
    China ist mittlerweile zu groß, um es zu ignorieren. Anleger sollten das Reich der Mitte auf dem Schirm haben, da es inzwischen ein wichtiger Motor der Weltwirtschaft ist. Zudem ist Chinas Wirtschaftspolitik tendenziell langlebiger und strategischer ausgerichtet als die anderer Weltmächte. Dadurch lässt sie sich von Investoren besser fassen, die sich entsprechend positionieren können.

    Mit der Strategie der „Dual Circulation“ zielt China darauf, Binnenkonsum und -produktion aufeinander abzustimmen und die Abhängigkeit von ausländischen Märkten zu verringern. Dies kommt Sektoren wie dem Gesundheits- und Versicherungswesen, aber auch zyklischen Konsumgütern zugute. Die Führung in Peking legt außerdem Wert darauf, dass China einen Platz auf der globalen Bühne einnimmt, und zwar durch Innovationen und dadurch, dass sich chinesische Unternehmen in der Wertschöpfungskette nach oben bewegen.

Globale Innovation und Disruption
Der Wandel durch Innovation und Disruption, also einschneidende Umbrüche, hatte im Gesundheits- und Technologiesektor bereits lange vor der Pandemie begonnen. Aber die Veränderungen des vergangenen Jahres haben eine Größenordnung erreicht, wofür unter normalen Bedingungen Jahrzehnte nötig gewesen wären …

  • Gesundheitswesen
    Dass die Bevölkerung immer älter und damit auch mehr auf medizinische Hilfe angewiesen ist, hat die Nachfrage im Gesundheitssektor angeheizt. Dank medizinischer Innovationen haben sich neue Therapien und damit neue Märkte entwickelt. Neue Technologien bewältigen gleichzeitig die Herausforderungen auf der Angebotsseite und sorgen für Effizienzsteigerungen und für ein besseres Produktangebot. Auch COVID-19 hat zur Innovationswelle beigetragen, insbesondere durch die Produktion und Zulassung von Impfstoffen und antiviralen Medikamenten.

  • Technologie
    Dass Technologie den Wandel antreibt, ist nichts Neues. Dass aber Schutzmaßnahmen gegenüber disruptiven Ereignissen weitgehend fehlen, trägt erheblich zur großen Instabilität bei. Die Erkenntnis, auf Dauer einem technologiegetriebenen Wandel unterworfen zu sein, belastet Arbeitnehmer, lässt die soziale Schere immer weiter auseinandergehen und treibt unzufriedene Bürger in die Arme populistischer Parteien.

    Für Anleger ist es von entscheidender Bedeutung, sowohl das Ausmaß der Veränderungen als auch die möglichen politischen Folgen zu berücksichtigen, um ihre Portfolios im Wandel richtig zu positionieren. Welche Branchen sind besonders anfällig, welche eher weniger? Welche Hürden bringt die Zukunft? Können Superstar-Firmen in Zukunft das Ruder übernehmen?

Nachhaltigkeit
Durch COVID-19 geriet die Klimakrise immer mehr in den Fokus. Dies hat eine Reihe wichtiger politischer Initiativen auf den Weg gebracht, die erhebliche makroökonomische und marktwirtschaftliche Auswirkungen haben könnten …

  • Energiewende
    Die Energiewende wird eine wichtige Rolle auf dem Weg zu Netto-Null-Emissionen spielen, da fast drei Viertel der globalen Emissionen mit Energie zusammenhängen. Wichtige Punkte sind die Reduzierung des Verbrauchs und die Steigerung der Effizienz – dies allein wird jedoch nicht ausreichen.

    Um die Umstellung auf erneuerbare Energien zu beschleunigen, braucht es mehr technologische Innovation, so zum Beispiel Batteriesysteme mit Langzeitspeicherung. Außerdem sollte kohlenstoffarmer Strom in mehr Bereichen genutzt werden. Dafür muss die entsprechende Infrastruktur bereitgestellt werden. Und wo es nicht möglich ist, Strom zu nutzen, muss auf andere Technologien zurückgegriffen werden, wie Wasserstoff oder die Möglichkeit, CO2-Emissionen zu binden.

  • Ökologische Nachhaltigkeit
    Die Pandemie hat uns daran erinnert: Es ist zentral, in die Wiederherstellung der globalen Ökosysteme zu investieren. Laut Weltwirtschaftsforum müssen sich drei sozioökonomische Systeme grundlegend wandeln, wenn der Verlust der biologischen Vielfalt gebremst werden soll: die Ernährung mitsamt Land- und Ozeannutzung, die Infrastruktur und das Bauwesen sowie Rohstoff- und Energiegewinnung.

    Die Natur zu erhalten ist eine große Verantwortung, aber auch eine große Chance. Es schnell zu tun bietet möglicherweise Vorteile. Investoren können unserer Ansicht nach viele Chancen bei Unternehmen finden, die durch innovative Maßnahmen darauf zielen, Ökosysteme an Land, auf See oder in der Stadt wieder herzustellen oder zu verbessern.

  • Soziale Gleichberechtigung und Inklusion
    2020 spitzten sich eine Reihe sozialer Probleme zu. Einige Schieflagen, die durch die Pandemie zutage traten, waren sehr aufschlussreich. So kommen viele Angestellte in Schlüsselpositionen aus einkommensschwachen Haushalten oder gehören ethnischen Minderheiten an. Da sie weiter außer Hauses arbeiten mussten, waren sie einem größeren Ansteckungsrisiko ausgesetzt. Infolge der Tötung von George Floyd rückten zudem Benachteiligungen aufgrund von Rassismus in den Fokus.

    Zwar haben Unternehmen sektorübergreifend angekündigt, dass sie die Diversität innerhalb ihrer Strukturen fördern möchten, die Transparenz ist hier allerdings nach wie vor gering. Aber diese Themen werden für Anleger zunehmend wichtig, und Unternehmen werden hier nachbessern müssen.

Wenn Sie mehr darüber erfahren möchten, wie Richard Barwell die genannten Megatrends einschätzt, finden Sie heir seinen Bericht (Inhalt auf Englisch).

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