Der Wasserknappheit den Hahn abdrehen

Für die meisten von uns ist es völlig normal, dass aus dem Wasserhahn Trinkwasser kommt. Jedoch ist Wasser eine knappe Ressource, die weltweit immer stärker nachgefragt wird.
Das Angebot wird diese wachsende Nachfrage nicht unbegrenzt decken können. Tun die Staats- und Regierungschefs genug, um der drohenden Krise entgegenzutreten? Wir untersuchen, welchen Herausforderungen sich die Wasserversorgung heute und in Zukunft stellen muss und was es zur Verbesserung aktueller Systeme braucht. Außerdem gehen wir der Frage nach, wie Investitionen und Technologie gemeinsam dazu beitragen können, innovative Lösungen verfügbar zu machen.
Wasserknappheit ist ein globales Problem
Die Erdoberfläche besteht zu etwa 70 Prozent aus Wasser, allerdings nur zu etwa 0,025 Prozent aus Süßwasser1. Dies ist seit der Zeit der Dinosaurier so, und bisher hat es unseren Bedarf gedeckt – der jedoch exponentiell zunimmt.
Die wachsende Weltbevölkerung ist der Hauptgrund für diesen Nachfrageanstieg. Aber auch die zunehmende Urbanisierung und steigende Lebensstandards tragen dazu bei, dass immer mehr Wasser verbraucht wird. Es wird immer dringender, etwas gegen diese Diskrepanz zwischen Angebot und Nachfrage zu unternehmen – sonst könnte bis 2030 die Nachfrage nach Wasser das Angebot um 40 Prozent übersteigen. Bereits 2025 könnte fast die Hälfte der Weltbevölkerung in Regionen leben, in denen „Wasserstress“ herrscht, in denen also zu wenig Wasser vorhanden ist.2
Man könnte annehmen, Wasserknappheit sei nur ein Problem weniger entwickelter Länder; etwa China, wo davon auszugehen ist, dass der Wasserbedarf das aktuelle Angebot in den nächsten zehn Jahren um etwa ein Drittel übersteigen wird.3 Zwar werden diese Länder wahrscheinlich die Hauptlast der Wasserverknappung tragen, aber sie werden damit wohl kaum alleine sein. Auch in einigen Industrieländern ist die Krise bereits spürbar. So haben Frankreich und Deutschland ihren dritten Dürresommer in Folge erlebt mit gewaltigen Konsequenzen für die Landwirtschaft, aber auch zum Beispiel für die Schifffahrt – wie 2018, als das Absinken des Wasserpegels im Rhein diesen wichtigen Transportweg behinderte. Hier wird deutlich, dass die Wasserknappheit nicht nur fatale Folgen für den Menschen, sondern auch für die Wirtschaft hat.
Gibt es praktikable Lösungen?
Die gute Nachricht ist, dass die Probleme rund um die Wasserversorgung lösbar sind.4 Denn nicht etwa Engpässe in der natürlichen Versorgung, sondern vielmehr das aktuelle Missmanagement der vorhandenen Ressourcen treibt die Entwicklung an – und hier können Innovation, Leistungssteigerung und Investition Abhilfe schaffen.
Der häusliche Wasserverbrauch ist besonders offensichtlich, aber mit rund 14 Prozent des Gesamtverbrauchs nicht der Hauptfaktor.5 Trotzdem stellt der Verlust von aufbereitetem Wasser wegen überalterter oder schlechter Infrastruktur ein enormes Problem dar. Schätzungen ergaben, dass allein in Asien dadurch etwa 29 Milliarden Kubikmeter Wasser jährlich verloren gehen6.
Die industrielle Nutzung macht 16 Prozent der Nachfrage aus,7 wobei der Verbrauch insbesondere im Bergbau und bei der Stromerzeugung hoch ist. Doch der mit Abstand größte Konsument von Wasser ist die Agrarindustrie – auf die erstaunliche 69 Prozent der weltweit verbrauchten Wassermenge entfallen.8 Verbesserungen der Wassereffizienz in diesen Schlüsselbereichen könnten erheblich dazu beitragen, die Lücke zwischen Angebot und Nachfrage zu schließen.
Auf der Suche nach dem blauen Gold
Ganze Generationen haben zu wenig in die Wasserversorgung investiert. Doch der Wandel gewinnt an Fahrt – aus Angst vor drohenden Versorgungsengpässen und dank prominenter internationaler Organisationen wie der Vereinten Nationen (die die Bereitstellung von sauberem Wasser und sanitären Einrichtungen zu einem ihrer Ziele für nachhaltige Entwicklung gemacht haben). Gemäß Schätzungen werden in den nächsten 15 Jahren weltweit 7,5 Billionen US-Dollar für die Wasserinfrastruktur ausgegeben.9 Daraus ergeben sich attraktive Chancen für Investoren – Wasser nennt man aus gutem Grund auch blaues Gold.
Chancen sind in allen Sektoren und Regionen zu finden. Denn die Branche nutzt den technologischen Fortschritt, um eine nachhaltigere Wasserversorgung zu ermöglichen.
Ganz oben auf der Liste steht die Landwirtschaft, die Nummer eins unter den Wasserverbrauchern. Ziel ist dabei, durch technische Innovation mehr Ernte pro verbrauchter Wassereinheit zu erzielen. Eine Verbesserung der Bewässerungssysteme – wie eine breitere Einführung von Tropf- und Sprinklerbewässerung – sind entscheidend, um die Effizienz zu steigern. Solche Methoden senken auch nachweislich die Kosten, indem sie die benötigte Düngermenge reduzieren und die Erträge erhöhen.
Ein weiterer entscheidender Bereich ist die Industrie. Hier sind Fortschritte im Bereich der Wiederverwertung von Wasser zu verzeichnen. So wird etwa immer mehr Grauwasser genutzt, also relativ sauberes Abwasser aus Haushalten oder gewerblichen Gebäuden. Und mittels der Niederdruck-Membranfiltrationstechnik lässt sich auch qualitativ hochwertigeres Wasser aus Abwasser gewinnen.
Jeder Staat muss eine effiziente Wasserinfrastruktur bereitstellen. Hinsichtlich der Optimierung vorhandener Infrastruktur bemühen sich viele darum, eine längere Lebensdauer der Rohre und niedrigere Betriebskosten zu erzielen sowie die Lecksuche zu verbessern. Darüber hinaus hilft intelligente Software privaten Nutzern, ihren Wasserverbrauch besser zu verstehen und verantwortungsvoller mit der Ressource umzugehen.
Wasser geht jeden an
Jeder muss die Ressource Wasser schützen, wenn ein echter Wandel erreicht werden soll. Wasserverknappung droht, und das mangelnde Bewusstsein hinsichtlich dieser Entwicklung verschärft die Lage noch. Es sind Maßnahmen erforderlich, um Regierungen, Landwirtschaft und Industrie dazu zu verpflichten, Technologien einzusetzen, die den Wasserverbrauch reduzieren.
Das wachsende Interesse für Themen wie Ressourcenknappheit, Infrastrukturmängel und Umweltschutz dürfte dieses Bewusstsein jedoch erfreulicherweise fördern und dazu beitragen, den Übergang zu einer nachhaltigeren Weltwirtschaft zu beschleunigen.
Wasser bietet Chancen
Wir bei BNP Paribas glauben, dass diese Entwicklung langfristig wertvolle Anlagechancen bereithält. Unternehmen, die den Wandel maßgeblich voranbringen, dürften von dem enormen Kapital profitieren, das in die Verbesserung der Wasserversorgung fließt. Um langfristig nachhaltige Renditen zu erzielen, investiert unsere Aqua-Strategie in ein ganzes Spektrum von defensiven und zyklischen Aktien entlang der gesamten globalen Wertschöpfungskette der Wasserwirtschaft. Diese Aktien haben nicht nur das Potenzial, ein starkes Wachstum zu erzielen, sondern auch positive Auswirkungen auf die Umwelt.
Weitere Informationen finden Sie auf unserer Website unter Anlagethemen.
Der Wert von Anlagen und der damit erwirtschaftete Ertrag kann sowohl fallen als auch steigen, und es ist möglich, dass die Anleger ihre anfänglichen Kosten nicht zurückerhalten.
1 „Water. A finite resource“, FAO, 1995: http://www.fao.org/3/u8480e/U8480E0c.htm Wasserverfügbarkeit und Wasserknappheit
2 Optionen für die Entkopplung des Wirtschaftswachstums von der Wassernutzung und der Wasserverschmutzung, Umweltprogramm der Vereinten Nationen, 2016
3 Charting Our Water Future, The 2030 Water Resources Group, 2009
4 Charting Our Water Future, The 2030 Water Resources Group
5 Charting Our Water Future, The 2030 Water Resources Group
6 Die Fragen und Herausforderungen der Verringerung des einnahmenfreien Wassers, Asiatische Entwicklungsbank 2010
7 Charting Our Water Future, The 2030 Water Resources Group
8 Charting Our Water Future, The 2030 Water Resources Group
9 McKinsey Global Institute – Bridging Global Infrastructure Gaps – Juni 2016

THEMEN UND ANLAGESTRATEGIEN

Erfahren Sie mehr über unsere Investmentthemen und Anlagestrategien.
Copy link
Powered by Social Snap