Das schwere Leben der Superstar-Firmen

Große Konzerne scheinen Geld, Ruhm und Einfluss ohne Ende zu haben. Steigt ihnen das zu Kopf?
2016 haben die fünf Technologie-Superstars – Google, Apple, Amazon, Facebook und Microsoft – zusammen 559 Milliarden US-Dollar Umsatz erzielt und 660.500 Menschen beschäftigt. Facebook hat mehr Nutzer als jedes einzelne Land der Welt Einwohner (mit zwei Ausnahmen). Wenn Walmart ein Land wäre, dann stünde es beim Einkommen auf der Top-Ten-Liste.
Wenn Unternehmen die gleiche Macht und Ressourcen haben wie eine Regierung, überrascht es nur wenig, dass sie sich manchmal so verhalten, als seien sie eine.
Je größer und erfolgreicher ein Unternehmen ist, desto weniger muss es sich an die Regeln halten. Deshalb wachsen die Bedenken, dass sich Superstar-Firmen immer schlechter regulieren lassen. Sie nutzen ihre finanzielle und kommerzielle Macht, um den Wettbewerb zu unterbinden und die altehrwürdigen Gesetze der Marktwirtschaft zu untergraben.
Lohndruck
Nehmen wir zum Beispiel die Löhne. In einigen Regionen beherrschen Superstar-Firmen den Arbeitsmarkt. Wenn ein Superstar der einzige Arbeitgeber in einer Region ist, kann er seine Marktmacht nutzen, um die Löhne zu drücken. Nach einer Studie der University of California ist schätzungsweise ein Drittel der Lohnungleichheit seit 1980 auf die Unterschiede zwischen den Löhnen von Superstar-Firmen und denen von Mitarbeitern anderer Firmen zurückzuführen.
Das hat einen wichtigen Nebeneffekt. In Industrieländern ist der Anteil der Einkommen, der an die Arbeiter geht, seit dem Entstehen der Superstar Economy zurückgegangen. Die Arbeiter verdienen nicht nur weniger, die Einkommen sind auch ungerechter verteilt. Die von oben nehmen denen unten das Geld weg. Führungskräfte haben noch nie so viel verdient wie heute, aber die Löhne der Arbeiter stagnieren. Offenbar gilt das Motto der Superstar Economy „Der Sieger kriegt alles“ auch für die Arbeiterlöhne.
Schwächt den wettbewerb und sorgt für verzerrungen am arbeitsmarkt
Größe bedeutet Macht
In einem gesunden Markt sorgt der Wettbewerb unter den Unternehmen für niedrigere Preise, hohe Löhne und eine hohe Qualität von Produkten und Dienstleistungen. Wenn aber ein Unternehmen an einem Markt zu dominant wird, kann es sich leisten, Wettbewerber aufzukaufen, oder es kann sie im Preiskampf besiegen. Die normalen Regeln gelten nicht mehr, und die Superstars bekommen die alleinige Kontrolle über Preise, Arbeitsplätze und Löhne. Und wenn Regierungen und Behörden anfangen, Fragen zu stellen, kann der Superstar seine finanzielle und kommerzielle Macht nutzen – mit Lobbying, politischer Einflussnahme und medialem Druck.
Macht verlangt Verantwortung
Groß ist nicht schlecht. Unternehmen werden zu Superstars, weil die Menschen sie mögen. Das iPhone in ihrer Tasche, die Serie, die sie heute Abend auf Netflix sehen und die Fotos vom Baby ihrer Freundin auf Instagram bereichern das Leben. Apple, Google, Facebook, Walmart und all die anderen können in Entwicklungen investieren, die das Leben besser machen. Beispielsweise sind es vor allem die Superstars, die Innovationen bei CO2-armen Technologien vorantreiben.
Fest steht, dass die Superstar Economy nicht nur ein wirtschaftliches, sondern auch ein soziales und politisches Phänomen ist. Die weltgrößten Unternehmen haben die Macht, unser Leben erheblich mehr zu beeinflussen als über die Produkte und Leistungen, die wir kaufen und nutzen.
Die oben genannten Einzelwerte dienen nur zur Illustration. Sie sind keine Aufforderung zum Kauf und weder Investmentberatung noch – empfehlung.
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